Antitranspirant – deine Lösung gegen starkes Schwitzen

Dieser Ratgeber befasst sich mit der schweißhemmenden Funktion von Antitranspiranten auf Metallsalzbasis, die als Individualrezepturen oder Fertigprodukte erhältlich sind.

Durch Studien wurde gezeigt, dass diese Mittel eine hohe schweißhemmende Wirkung haben. In der Behandlung des übermäßigen lokalen Schwitzens nehmen sie eine Vorreiterrolle ein. Sekundär wird durch ihre Anwendung zudem Schweißgeruch gemildert, der häufig mit starkem Schwitzen einhergeht.

Unabhängig davon, ob das lokale Schwitzen krankhaften Ursprungs ist oder nur ein temporäres, für Betroffene allerdings unangenehmes Phänomen darstellt, wirken Antitranspirante bei mäßigem bis übermäßigem Schwitzen an den betroffenen Regionen effektiv, schnell und dauerhaft.

Welche Arten des lokalen Schwitzens es gibt – neben dem bekannten Schwitzen an Füßen, Händen und unter den Achseln – beschreibt dieses Buch ebenso wie Indikation, Anwendung, Zusammensetzung und ggf. Nebenwirkungen der Antitranspiranten auf Metallsalzbasis.

Mittel gegen lokales Schwitzen

Sind Sie es leid, tellergroße Schweißflecken unter den Armen zur Schau zu tragen? Haben Sie es satt, sich vom Schwitzen ihre Kleiderordnung vorschreiben zu lassen? Suchen Sie ein schnell wirkendes Präparat zur Minderung des Fuß-, Hand- oder Achselschweißes? Sind Sie hinsichtlich der Nebenwirkungen solcher Antitranspirante unsicher? Wie wende ich ein solches Antitranspirant sinnvoll an, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen. Muss ich zur Behandlung einen Arzt aufsuchen? Sind Antitranspirante verschreibungspflichtig? Für welche Formen des Schwitzens sind diese Wirkstoffe indiziert?

Effektivität von Antitranspiranten

Alles in allem bleibt die Applikation mit Metallsalzen als Antiperspirant ein geeignetes und wirkungsreiches Mittel zur Hyperhidrosistherapie. Die Anwendung eines solchen Therapeutikums sollte daher nicht unversucht bleiben.
Die Metallösung läßt sich zudem im Rahmen einer Selbsttherapie sehr effektiv zur Anwendung bringen und erscheint nicht zuletzt aus diesem Grund als Therapiemaßnahme im engeren Kreis der Hyperhidrosisbehandlung bestens geeignet.

Über die potentielle Wirkung des Aluminiumchlorids sollten somit Behandler wie auch Betroffene keineswegs hinwegsehen. Zudem ist der Substanzgebrauch mit derart geringen Nebenwirkungen, wenn überhaupt, einhergehend, daß bei dieser Anwendungsart auch die Schaden-Nutzen-Relation optimal gewahrt bleibt.

Individualrezeptur Aluminiumchloridlösung

Aluminiumchlorid-Lösungen als sogenannten Individual- oder Magistralrezepturen können in Apotheken angefertigt werden. Gemäß den Bestimmungen des Neuen Formular Rezeptoriums existieren drei relevante Formeln.

Ein wesentlicher Unterschied zu Fertigprodukten ist der, dass die drei Aluminiumchlorid-Hexahydrat-Rezepturen des NRF als Arzneimittel anzusehen sind, während Fertigprodukte entweder kosmetische Mittel oder möglicherweise auch Medizinprodukte sind. Die Wirkstärke der Aluminiumsalze auf die Schweißhemmung gilt als direkt proportional zu der sauren Reaktion, die allerdings wiederum mit den lokalen Nebenwirkungen korreliert.

Das sehr stark sauer reagierende Aluminiumchlorid-Hexahydrat wird überwiegend nicht in Fertigprodukten eingesetzt, und es sind nur wenige entsprechende Fertigarzneimittel in Verkehr. Die Deodorant-Wirkung des Aluminiumchlorid-Hexahydrat ist eine Begleitwirkung, aber nicht der primäre Anwendungszweck der Beahndlung mit Aluminiumchloridlösungen.

Antitranspirante – Geruchskiller

Metallhaltige Antitranspirante verfügen neben ihrer antihidrotischen Wirkung über eine antimikrobielle Funktion und somit über einen angenehmen Nebeneffekt und ein weiteres Indikationsfeld: Aluminiumchlorid und insbesondere die Arzneirezeptur wird auch in der Lokaltherapie zur Geruchsbekämpfung bzw. zur Therapie des krankhaften Schweißgeruchs angewendet und von Dermatologen empfohlen.

Die Verabreichung von Aluminiumchlorid (AlCl3) ist hinsichtlich einer Hyperhidrosis der Achseln (axillaris), der Hände und der Füße indiziert und äußerst effektiv, wobei die therapeutischen Resultate bei Vorliegen einer Hyperhidrosis axillaris am größten sind.
In dermatologischen Versuchsreihen konnten durch die äußere Anwendung von Metallsubstanzen bei ca. 90 % der Versuchspatienten, die an einer Hyperhidrosis axillaris litten, signifikante Besserungen der Schweißsekretion in diesen Hautarealen erzielt werden.

Durch die Übertragung der Metallverbindung wird ein funktioneller Verschluß der Haut bewirkt, der eine Drosselung der Schweißsekretion verursacht. Metallionen der Lösung reagieren mit den Zellen der Schweißdrüsen und bilden schließlich als Produkt einen Niederschlag, der den Ausführungskanal der Drüsen blockiert.
Die Metallstoffe als Adstringentien lösen als Reaktionsfolge eine Eiweißfällung aus, die die Drüsenausführungsgänge im oberen Hautbereich abdichtet. Diese Substanzen haben daher nur eine hautoberflächliche und keine tiefere Wirkung.

Ein gänzlicher Verschluß der Drüsen soll durch die Eiweißzersetzung natürlich nicht erreichet werden, was ja auch nicht Anwendungsziel sein kann, denn Schwitzen ist in seiner biologischen Funktion ja ein absolut lebensnotwendiger und existenssichernder Vorgang. Ein völliger Verschluß der Drüsen würde zu einer lebensbedrohlichen Überhitzung des Organsimus führen.

Anwendungsformen von Antitranspiranten

Solche Metallverbindungen werden in der Behandlungspraxis zum Anwendungszweck in diversen Formen angeboten. So werden sie beispielsweise als Lösungen, Cremes, Lotionen oder Puder verabreicht. Als Lösungsmittel werden sie mittels einer alkoholischen oder wäßrigen Lösung dargeboten. Die wäßrige Lösung hat sich dabei als die nebenwirkungsärmste und somit bevorzugte Lösungsform durchgesetzt.

Aluminiumchloridlösungen können zur äußeren Behandlung einer Hyperhidrosis somit nicht nur in flüssigem Zustand, sondern auch beispielsweise als viskoses Gel eingesetzt werden. Als Gel läßt sich diese Substanz sogar in einen Deoroller verpacken, was die äußere Anwendung und somit das Auftragen auf die Hautoberfläche noch einfacher gestaltet. In der Regel wird die Metallösung von Apothekern gemischt und bei Herstellung häufig mit weiteren Stoffen angereichert. Den individuellen Interessen des Betroffenen und dem vorliegenden spezifischen Krankheitsbild kann durch die Vielseitigkeit der Anwendungsform von Metallösungen gebührend Rechnung getragen werden.
Bei Vorliegen z.B. einer Hyperhidrosis der Achseln würde sich ein mit dem Metallgemisch präparierter Roller als das ideale Therapeuticum erweisen. Eine Hyperhidrosis der Hände und Füße wäre demgegenüber aber besser mittels einer flüssigen Metallösung zu behandeln, da die Flüssigkeit ihre schweißhemmende Wirkung auf diesen Hautbereichen wesentlich intensiver gestalten und tiefer in die Hautoberfläche und somit in die Drüsenausführungsorgane einwirken könnte. Hinsichtlich einer optimalen Dosierung und der richtigen Anwendungsform der Metallwirkstoffe stehen Ärzte und insbesondere auch Apotheker dem Patienten hilfe – und ratgebend zur Seite.

Wirkung und Indikation

Aluminiumchlorid-Hexahydrat hemmt konzentrations abhängig die Schweißsekretion und ist bei axillärer und palmarer Hyperhidrosis gut wirksam. Die Ausfällung von Aluminium-Mucopolysaccharid-Komplexen und die Schädigung der Epithelzellen in den Ausführungsgängen der ekkrinen Schweißdrüsen führt zum Verschluss der Ausführungsgänge. Im Zuge der Epidermisregeneration wird nach 2 bis 3 Wochen die ursprüngliche Funktion der Schweißdrüsen wieder hergestellt. Die antihidrotische und adstringierende Wirkung ist pH-abhängig. Das medizinisch angewendete Aluminiumchlorid reagiert stärker sauer als die in kosmetischen Mitteln eingesetzten Aluminiumsalze.

Wegen ihrer antibakteriellen Aktivität wirken Zubereitungen mit Aluminiumchlorid-Hexahydrat auch desodorierend, da die Bildung von geruchsaktiven Substanzen durch die normale Mikroflora der Haut unterbunden wird.

Hydrophiles Aluminiumchlorid-Hexahydrat-Gel 15 % / 20 % ist bei verschiedenen Formen der Hyperhidrosis indiziert, unter anderem:

  • Hyperhidrosis axillaris,
  • Hyperhidrosis pedum et manuum,
  • gustatorische Hyperhidrosis (Frey-Syndrom),
  • symptomatische (sekundäre) Hyperhidrosis.

Neben der Anwendung von Aluminiumchlorid-Lösungen, die im Doit-yourself-Verfahren als Individualrezeptur oder auf Rezept und Empfehlung eines Arztes erfolgt, existieren mittlerweile viele Fertig-Antitranspirante diverser Hersteller.

Nebenwirkungen von Antitranspiranten

Vereinzelt kann es einmal zu Hautrötungen, Juckreizen und zu Bläschenbildungen kommen. Als Nebenwirkung kann ein sogenannte irritative Dermatitis auftreten, begünstigt primär okklusiever Anwendung, d.h. unter Verschluss. Durch Auswahl der richtigen Konzentration der Lösung und der optimierten Anwendungshäufigkeit kann man diesem Umstand gezielt entgegenwirken.

Metallsalze können auch odematöse oder leichte Entzündungen bewirken. Derartige Phänomene werden als juckender Frieselausschlag erfahren, verursacht durch die Verstopfung der Schweißdrüsengänge, wodurch infolge der Schweißstauung Bläschen gebildet werden, die platzen und relativ schnell austrocknen. Solche Begleiterscheinungen bleiben jedoch die Ausnahme.

Auch die Tatsache, daß die Metallösung Textilfärbungen verursachen kann, insbesondere bei Anwendung unter den Achseln, soll hier als mögliche Folge nicht verschwiegen werden. Bei sachgemäßer und vorsichtiger Anwendung der Lösung kann jedoch auch dieser Mißstand unterbunden werden.

Sind Antitranspirante gefährlich?

In regelmäßigen Abständen werden in den Medien Diskussionen angestoßen, ob aluminiumhaltige Kosmetikprodukte brustkrebsfördernd sind. Zu diesen Produkten mit Leichtmetallbestand zählen auch die Deos und Antitranspirante, die mittlerweile in einer Vielzahl auf dem Markt erhältlich sind und schweißfreie Phasen unter den Achseln versprechen.
Aluminium steht hier aber im Verruf – und dies gilt nicht nur für Kosmetika sondern auch für Medikamente oder sogar Lebensmittel – bei zu hohen Dosierungen eine toxikologische Wirkung zu entfalten. Schätzungsweise 2/3 aller Antitranspirante beinhalten mittlerweile Aluminium, meist in Form von Chlorverbindungen, das sogenannte Aluminiumchlor(o)hydrat (meist zwischen 3 und 7 % im Durchschnitt).

In Bezug auf Effektivität und Wirkung bringen eigentlich nur solche Antitranspirante gewünschte Erfolge, deren aluminiumhaltiger Bestand die Schweißdrüsen verstopft. Durch diesen Prozess der sogenannten Eiweißfällung tritt Schweiß an den Poren nur noch geringfügig an die Hautoberfläche.
Es erfolgt insofern eine Reaktion mit der Haut und genau hierin sehen Bedenkenträger die Gefahr zur Förderung von Brustkrebs.

Demgegenüber stehen Forschungen, die aufzeigen, dass sowohl an menschlicher Haut durchgeführte Versuche als auch Studien am Menschen selbst aufzeigen, dass Aluminium kaum die gesunde Hautoberfläche durchdringt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (kurz BfR) geht davon aus, dass zwar bei jeder Anwendung viele Milligramm Aluminium auf die Haut kommen, davon aber nur ein kleiner Anteil – wahrscheinlich im Mikrogrammbereich – in den Blutkreislauf gelangt.

Die Konzentration – Wissenschaftliche Erkenntnisse

Je nach Intensität und Grad der Hyperhidrosis kann Aluminiumchloridlösung in verschiedenen Konzentrationen verabreicht werden. Bei leichteren Phänomenen der Schweißdrüsenfehlregulation ist bereits eine Konzentration von 10-15 % AlCl3 zur Minderung der Sekretionsrate ausreichend. In extremen Fällen der Hyperhidrosis sollte dagegen eine höhere Konzentration, bis maximal 30 %, angewandt werden, wobei die höchste Konzentrationsstufe für eine Applikation an Händen und Füßen indiziert ist.

Eine in den Jahren 1978—1988 durchgeführte therapeutische Studie, in die 491 Patienten mit Hyperhidrosis axillaris einbezogen wurden, zeigte die ausgezeichnete Wirksamkeit der topischen Anwendung von Aluminiumchloridlösungen bei gleichzeitigem Fehlen ausgeprägter Nebenwirkungen. Ein Therapieerfolg konnte bei 87,5 % der Hyperhidrotiker erzielt werden. Geringgradige unerwünschte Wirkungen traten als vor-übergehender axillärer Pruritus bei 51 % und als milde Hautirritation bei 17,3 % der behandelten Patienten auf. Bei einem Vergleich verschiedener Konzentrationen der wäßrigen Aluminiumchloridlösung erwies sich die 15 %ige wäßrige Aluminiumchloridzubereitung als das Mittel der Wahl bei allen Schweregraden der Hyperhidrosis axillaris. Die therapeutische Effektivität ist bei niedrigeren Konzentrationen deutlich vermindert, sie läßt sich aber durch eine Erhöhung des Aluminiumchloridanteils nicht weiter steigern. Ein Austausch der wäßrigen mit einer alkoholischen Grundlage führt ebenfalls zu keiner Verbesserung der antihidrotischen Aktivität.

Quellen:
Die Behandlung der Hyperhidrosis axillaris mit Aluminiumchloridlösungen. Aktuelle Dermatologie, 1994, Jg. 20, Heft 8, J. Hilbrans, E. Hölzle